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American Football

Wer spielt im Super Bowl LIV?

Januar 2020. Postseason im American Football. Die NFL-Playoffs beginnen mit dem “Wild Card Weekend”.

Zeit für einen kleinen Ausblick. Der Ausblick wird sich mit der Ausgangssituation und Team-Performance befassen und nicht damit, zu spekulieren welches Defense-Scheme am ehesten Lamar Jackson stoppen könnte.

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Für die acht Teams, die jetzt bereits ran müssen, ist der Weg zum Super Bowl ein weiter: Drei Siege werden benötigt. Ein fast unmögliches Unterfangen, wie die folgende Analyse zeigt.

1. Der Weg zum Super Bowl: Bye needed

Die San Francisco 49ers und die Kansas City Chiefs haben ihre Bye-Weeks auf spektakuläre Art und Weise gewonnen. Damit haben sie ihre Chancen deutlich erhöht. Es ist lange bekannt, dass eine Bye-Week die Chancen aufs Erreichen des Super Bowl deutlich erhöht.

Die Logik dahinter ist simpel: Selbst wenn alle Teams gleich stark wären (sie sind es nicht), und wenn wir Heimvorteil ignorieren, würde allein die Tatsache, einmal weniger spielen zu müssen, die Chancen verdoppeln. Die Chance aufs Erreichen des Super Bowl wäre für ein Team, das in der WC-Woche spielt, in dem theoretischen Fall 12,5% (0,5^3), und die Chance für ein Team mit Bye läge bei 25% (0,5^2).

Aber ein Heimvorteil existiert. Die spielfreie Woche bringt einen weiteren Vorteil: weniger Spiele in den Knochen, keine neuen Verletzten, weniger Reisestrapazen (die Seahawks reisen zum Beispiel drei Stunden “gegen die Zeit” nach Philadelphia), mehr Zeit zur analytischen Spielvorbereitung.

Und natürlich sind die Teams auch nicht gleich stark. Es ist fair anzunehmen, dass die Teams mit Bye-Week besser Football spielen als jene ohne Bye. Damit sage ich nicht, dass die 2019er Packers besser sind als die Saints, aber die Gruppe aus 49ers, Ravens, Chiefs und Packers ist stärker als die Bills, Vikings etc.

Historie: Dank Bye in den Super Bowl

Diese Vorteile führen dazu, dass die Bye-Teams einen signifikanten Vorteil haben. Von den 34 Teams, die seit 2003 im Super Bowl standen, waren mehr als 75% an #1 oder #2 ihrer Conferences gesetzt. 17 Super Bowls seit 2003 sind keine riesige Sample Size, aber seit der Saison 2002 und dem Super Bowl 2003 ist die NFL in ihrer heutigen Form mit 32 Teams in 8 Divisons. Insofern ergibt der Cut dort Sinn.

Teams im NFL Super Bowl: Bye-Week hilft extrem

Von 68 Teams mit Bye haben sich also 26 qualifiziert, das entspricht einer 38%-Chance pro Team. Im Vergleich dazu haben es von 136 Teams ohne Bye nur 8 geschafft, was einer Wahrscheinlichkeit von 6% entspricht.

Fun Fact: Von den acht Teams, die es aus dem Wild-Card-Wochenende in den Super Bowl geschafft haben, gingen sechs als Sieger vom Platz. Das erscheint plausibel. Denn wer sich in drei Auswärtsspielen als Underdog durchsetzt, der kann es danach auch auf neutralem Grund schaffen.

2. Sorry 49ers, kein Platz für Cinderella-Storys

Als zweites werfe ich einen Blick auf die Entwicklung der Mannschaften. Konkret stelle ich mir die Frage, ob es für die 49ers nach den nur 4 Siegen in der letzten Saison “from Zero to Hero” gehen kann.

Der Weg zum Super Bowl: Siege in der Vergangenheit helfen.

Die Abbildung zeigt die Bilanzen der vergangenen 17 Super-Bowl-Sieger in den Jahren unmittelbar vor dem Erfolg. Was auffällt:

  • Gewinnerteams sind bereits vorher gut und gewinnen in den beiden Vorjahren ca. 10 und 11 Spiele, in der Super-Bowl-Saison dann 12.
  • Gewinnerteams zeigen vor dem Triumph einen moderaten Anstieg an Saisonsiegen.
  • Verliererteams zeigen einen stärkeren Anstieg.
  • Kein Team hat im Jahr vor einem Triumph weniger als 7 Spiele gewonnen.
  • Kein Team hat in den drei Vorjahren weniger als 24 Spiele gewonnen.

In der NFL scheint kein Platz für Cinderella-Storys zu sein. Bevor Teams einen Super Bowl gewinnen, haben sie in der Regel einige Saisons mit positiver Bilanz hinter sich. Auch diese Erkenntnis ist plausibel. Um einen 70-Mann Roster in Titelform zu bringen, können eine Free Agency und ein Draft kaum ausreichen. Bei einem Kader, der im Kern bereits aus guten Spielern besteht, ist es hingegen leichter, die nötigen Mosaiksteinchen zu setzen, um zum Champion zu werden. Die 49ers kommen aus Saisons mit 4, 6 und 2 Siegen. Es ist fraglich, ob die Ergänzungen von Bosa, Ford und Co. ausreichen, um daraus nicht nur ein Playoff-Team, sondern den neuen Champion zu formen.

Zudem gilt in den NFL-Playoffs Win or Out. Eine Niederlage und man ist raus. Ein dummer Punt bei 4th&1 (Shanahan ist hier bei Führungen oft zu konservativ), ein Fumble, eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter. Um hier zu bestehen, benötigt es neben Talent und viel Glück auch Erfahrung in kritischen Situationen. Erfahrung, die zum Beispiel dem aktuellen 49ers-Team abgeht. Auch die Packers haben in den beiden Vorjahren nur 6 und 7 Siege geholt.

Die Ravens und Chiefs hingegen erfüllen auch dieses Kriterium. Beide haben 2018 Playoff-Erfahrung gesammelt. Und beide zeigen saisonübergreifend eine moderat steigende Form auf hohem Niveau. Die Chiefs schafften 10, 12 und dieses Jahr wieder 12 Siege. Die Ravens verbesserten sich von 9 und 10 auf jetzt 14 Siege.

Fazit: It’s AFC-Time

Die Ravens und Chiefs erfüllen sowohl das Kriterium der Sieg-Erfahrung als auch der Bye-Week. Der mögliche Showdown im AFC Championship Game in Baltimore könnte der vorgezogene Super Bowl werden.

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